Die Ruta de los Volcanes ist wahrscheinlich die spektakulärste Wanderung, die man auf den Kanarischen Inseln unternehmen kann. Siebzehn Kilometer entlang des vulkanischen Höhenkamms von La Palma, wobei man buchstäblich am Rand von Kratern entlangläuft, die erst vor wenigen Jahrzehnten ausgebrochen sind. Auf jeder Seite erstreckt sich der Atlantik bis in die Unendlichkeit. Es ist ein Erlebnis, das einem vor Augen führt, wie klein wir angesichts der Naturgewalten sind.
Dieser Führer verrät Ihnen alles, was Sie wissen müssen, um die Route zu bewältigen: von der Anfahrt zum Startpunkt über den Inhalt Ihres Rucksacks bis hin zu dem, was Sie in jedem Abschnitt des Weges erwartet.
Technisches Datenblatt
- Distanz: 17,1 km (linear, von Punkt zu Punkt).
- Höhengewinn: +370 m / Höhenverlust: -1.282 m.
- Dauer: 6 — 7 Stunden (je nach Tempo und Pausen).
- Schwierigkeit: mittel bis hoch. Nicht technisch anspruchsvoll, aber lang und mit konstanter Sonnenexposition.
- Startpunkt: Refugio de El Pilar (1.450 m).
- Endpunkt: Leuchtturm von Fuencaliente (Meeresniveau).
- Empfohlene Jahreszeit: April bis November. Tage mit starker Calima (Saharastaub) meiden.
Abschnitt 1: Vom Refugio de El Pilar zum Hoyo Negro (5 km)
Die Route beginnt am Refugio de El Pilar, einem Erholungsgebiet umgeben von Kanarischen Kiefern auf 1.450 Metern Höhe. Der Wanderweg ist perfekt mit den weiß-roten Markierungen des GR-131 ausgeschildert. Die ersten Kilometer führen durch einen Kiefernwald, der sich allmählich lichtet, je höher man steigt.
Beim Verlassen des Waldes verändert sich die Landschaft radikal. Das Grün weicht dem Schwarz, Rot und Ocker der vulkanischen Asche. Man betritt das Herz des vulkanischen Höhenkamms von La Palma, eine Kette von Kratern, die sich von Nord nach Süd aufreihen und das Rückgrat der Insel bilden.
Der erste große Krater, auf den man trifft, ist der Hoyo Negro — eine Caldera mit senkrechten Wänden und einem dunklen Boden, die durch ihre Tiefe beeindruckt. Vom Kraterrand aus sind die Ausblicke auf beide Küsten der Insel atemberaubend. An klaren Tagen erkennt man am Horizont Teneriffa, La Gomera und El Hierro.
Abschnitt 2: Der Vulkankamm (5 km)
Dies ist der spektakulärste Abschnitt der gesamten Route. Der Weg folgt der Kammlinie zwischen dem Hoyo Negro und dem Deseada, man wandert auf dem Grat des Höhenzugs mit dem Ozean zu beiden Seiten. Zur Linken die Ostküste mit ihren Bananenplantagen und weißen Dörfern; zur Rechten die westlichen Steilklippen, die ins Meer stürzen.
Das Gelände ist ein Mosaik vulkanischer Texturen: schwarzer Lapilli, der unter den Stiefeln knirscht, Vulkanbomben, die wie Skulpturen verstreut liegen, versteinerte Lavaströmungen, die in bizarren Formen erstarrt sind. Die Vegetation ist minimal — hier und da ein Teide-Ginster, etwas Büschelgras — und man hat das Gefühl, auf einem anderen Planeten zu wandern.
„Die Ruta de los Volcanes zu wandern ist wie eine Zeitreise durch die geologische Geschichte von La Palma. Jeder Krater erzählt die Geschichte eines Ausbruchs, jede Schicht Asche ein Kapitel im Leben der Insel."
In diesem Abschnitt gibt es sehr wenig Schatten. Die Sonne brennt erbarmungslos, besonders im Sommer, und die Reflexion der vulkanischen Asche verstärkt die Hitze. Es ist unbedingt notwendig, eine Mütze, Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor und mindestens 2 Liter Wasser mitzunehmen. Auf der gesamten Strecke gibt es keine Wasserquellen.
Abschnitt 3: Vulkan San Antonio und Teneguía (4 km)
Nach dem Verlassen des Höhenkamms führt der Weg hinab zu den jüngsten Vulkanen der Insel. Der Vulkan San Antonio, der 1677 ausbrach, ist heute ein breiter, harmonischer Krater, bedeckt mit Kiefern, die nach und nach seine Hänge besiedelt haben. Direkt daneben befindet sich das Besucherzentrum, in dem man eine Pause einlegen und mehr über die Vulkanologie von La Palma erfahren kann.
Wenige hundert Meter entfernt liegt der Teneguía, der jüngste Vulkan Spaniens (er brach 1971 aus). In seinem Krater befinden sich noch aktive Fumarolen, die Wärme und einen leichten Schwefelgeruch abgeben. Es ist eine Erinnerung daran, dass La Palma geologisch gesehen eine lebendige Insel ist. Die jüngsten Ausbrüche an der Cumbre Vieja im Jahr 2021 haben dies nur bestätigt.
Abschnitt 4: Abstieg nach Fuencaliente (3 km)
Der letzte Abschnitt ist ein konstanter Abstieg von den Hängen des Teneguía hinunter zum Leuchtturm von Fuencaliente auf Meeresniveau. Die Landschaft öffnet sich vollständig: Auf der einen Seite die Lavaströmungen des Teneguía, die eindrucksvolle Felder aus schwarzem Gestein bilden; auf der anderen die Malvasía-Weinberge, die das warme Mikroklima des Südens nutzen, um einige der besten Weine der Kanarischen Inseln zu produzieren.
Unten angekommen erscheinen die Salinen von Fuencaliente wie ein abstraktes Gemälde: Wasserrechtecke in Weiß-, Rosa- und Ockertönen, eingerahmt von schwarzer Lava und dem Blau des Ozeans. Es ist der perfekte Abschluss für eine Route, die die Insel von oben nach unten durchquert hat — vom Wald zum Meer, vom Grün zum Schwarz.
Praktische Tipps
- Transport: Die Route ist linear, daher müssen Sie ein Auto am Zielpunkt abstellen oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Die Guagua (Bus) der Linie 200 verbindet Los Llanos mit Fuencaliente und fährt am Refugio de El Pilar vorbei. Aktuelle Fahrpläne unter transporteslapalma.com.
- Wasser: Mindestens 2 Liter pro Person mitnehmen. Auf der gesamten Strecke gibt es weder Brunnen noch Versorgungspunkte.
- Schuhwerk: Wanderstiefel mit guter Sohle. Vulkanischer Lapilli ist abrasiv und rutschig.
- Startzeit: Früh aufbrechen (vor 8:00 Uhr), um die heißesten Stunden zu vermeiden und genügend Tageslicht zu haben.
- Sonnenschutz: Unverzichtbar. Mütze, Sonnencreme SPF50+ und Sonnenbrille. Vulkanasche reflektiert sehr stark.
- Höhenangst: Einige Kammabschnitte können exponiert wirken. Wenn Sie unter Höhenangst leiden, überlegen Sie, ob diese Route die richtige für Sie ist.
Nach der Wanderung: Erholung bei einem Kajaktag
Wenn die Ruta de los Volcanes Ihnen Lust auf noch mehr Abenteuer gemacht hat (und Ihre Muskeln vielleicht ein wenig beansprucht sind), haben wir die perfekte Ergänzung: einen Kajaktag entlang der Westküste von La Palma. Paddeln ist eine hervorragende Möglichkeit, den Beinen nach einer langen Wanderung Erholung zu gönnen, und die Perspektive vom Meer aus bietet Ihnen einen völlig neuen Blick auf die Steilklippen, die Sie von oben gesehen haben.
Unser Ausflug zur Cueva Bonita startet am Poris de Candelaria und führt entlang der Küste von Tijarafe — genau auf der anderen Seite des Höhenkamms, den Sie gerade überquert haben. Es ist, als würde man den Kreis schließen: Gestern sind Sie über die Gipfel gewandert, heute paddeln Sie am Fuß der Klippen. La Palma in 360 Grad.